Wirtschaftliche Wirkungen

Welche wirtschaftlichen Wirkungen kann dieser Marktplatz befördern?

Kurve aus Goldstaub

Gut ausgebildet, aber oft unsichtbar: Österreichs IT-Potenzial

Österreich hat kein Qualifikationsproblem in der IT – eher ein Sichtbarkeits- und Strukturproblem. Das Ausbildungssystem bringt jährlich rund 5.000 formal qualifizierte IT-Fachkräfte hervor, fast die Hälfte davon mit Hochschul- oder FH-Abschluss.(bmwet.gv.at) Studien zeigen zudem, dass der Anteil der IKT-Spezialist:innen an der Gesamtbeschäftigung leicht über dem EU-Durchschnitt liegt.(WIFO)

Gleichzeitig wächst der Bedarf schneller als das Angebot: Laut Fachverband UBIT werden bis 2030 knapp 39.000 IT-Fachkräfte fehlen, mit einem geschätzten Wertschöpfungsverlust von bis zu 7 Milliarden Euro jährlich für den Standort Österreich.(wko.at) Das ist kein Hinweis auf mangelnde Qualität – sondern darauf, dass die Fähigkeiten der vorhandenen Fachkräfte hoch gefragt sind.

Viele kleine Player statt weniger Riesen

Ein Teil dieser Fachkräfte arbeitet in großen Unternehmen, ein erheblicher Teil aber in Klein- und Kleinstunternehmen – oft als EPU oder in kleinen Teams. Der Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) vertritt über 70.000–80.000 Mitgliedsbetriebe in Österreich – von IT-Dienstleistern über Berater:innen bis hin zu Buchhaltungsberufen.(wko.at)

Besonders auffällig: Die Berufsgruppe Informationstechnologie stellt in vielen Auswertungen die Mehrheit der Arbeitgeberbetriebe innerhalb des Fachverbands. Allein 2022 entfielen 5.940 Arbeitgeberbetriebe auf die IT – mehr als auf Unternehmensberatung oder Buchhaltung.(KMU Forschung Austria) Insgesamt sind in der Sparte „Information und Consulting“ über 125.000 Unternehmen mit rund 271.800 Beschäftigten aktiv.(Advantage Austria)

Das heißt: Wir haben tausende hochqualifizierte, oft selbständige IT-Unternehmen, die nah an ihren Kund:innen arbeiten – von Gemeinden über KMU bis hin zu öffentlichen Einrichtungen.

Warum der direkte Wettbewerb mit BigTech schwierig ist

Trotz dieses Potenzials entstehen aus Österreich kaum global dominierende Plattformen nach US-Vorbild. Das liegt weniger am Können der Techniker:innen, sondern an Rahmenbedingungen:

  • kleiner, fragmentierter europäischer Markt
  • begrenzter Zugang zu sehr großen Wachstumskapitalrunden
  • strengere Regulierung und weniger aggressive Skalierungsstrategien

Kurz: BigTech spielt auf einem Spielfeld, das stark von US-Kapital, einem riesigen Binnenmarkt und jahrzehntelanger Plattformdominanz geprägt ist. Sich dort eins zu eins „nach oben zu kämpfen“, ist für einzelne österreichische Unternehmen extrem schwierig.

Open Source als europäische Chance

Genau hier wird Open Source interessant. Statt proprietäre Plattformen zu kopieren, können europäische Akteure auf bestehende Open-Source-Bausteine setzen: vom Betriebssystem über Groupware und Kollaborationstools bis hin zu kompletten Arbeitsplatzumgebungen.

Der Vorteil:

  • Der Quellcode ist offen – damit überprüfbar, auditierbar und anpassbar.
  • Unternehmen und öffentliche Stellen können Lösungen selbst betreiben oder in europäischen Rechenzentren hosten.
  • Die Wertschöpfung verschiebt sich weg von Lizenzgebühren, hin zu Beratung, Integration, Betrieb, Support und Weiterentwicklung – also genau in jene Bereiche, in denen viele österreichische IT-Unternehmen stark sind.

Für Österreich und Europa heißt das: Statt die nächste globale Plattform zu bauen, können wir Infrastrukturen, Services und Ökosysteme entwickeln, in denen tausende kleinere Anbieter zusammenarbeiten – und dennoch ein hohes Maß an Kompatibilität und Qualität bieten.

Digitale Souveränität: Sicherheit – und ökonomische Rationalität

Wenn öffentliche Stellen proprietäre Cloud-Dienste großer US-Konzerne nutzen, fließt ein erheblicher Teil des Budgets in Lizenz- und Abo-Gebühren ins Ausland. Setzt der Staat dagegen stärker auf Open Source und europäisch gehostete Lösungen, ergeben sich zwei Effekte:

  1. Einsparungspotenziale bei Lizenzen: Nicht, weil alles „gratis“ ist, sondern weil laufende Lizenzkosten reduziert und teure Lock-in-Effekte vermieden werden.
  2. Wertschöpfung bleibt im Land: Gelder, die bisher an internationale Konzerne gingen, können in lokale Dienstleister, Supportverträge, Schulungen und Weiterentwicklungen fließen.

Gerade im öffentlichen Sektor, wo es um Millionenbeträge pro Jahr geht, ist das ein struktureller Hebel: Digitale Souveränität ist damit nicht nur Datenschutz- oder Sicherheitsprojekt, sondern eine industriepolitische Entscheidung zugunsten dezentraler Wertschöpfung.

Mehr Selbständigkeit, mehr lokale Wertschöpfung

Für österreichische IT-Fachkräfte – insbesondere für selbständige Dienstleister:innen und kleinere Unternehmen – eröffnet sich damit ein klarer Pfad:

  • weg von reiner „Implementierung fremder Produkte“,
  • hin zu dauerhaften Partnerschaften mit Verwaltungen und KMU,
  • auf Basis von offenen, souveränen Technologien, die vor Ort verstanden und gepflegt werden.

Die technischen Fähigkeiten sind vorhanden, die Unternehmenslandschaft ist breit, und die politische Diskussion rund um digitale Souveränität verschiebt den Fokus zunehmend auf europäische Lösungen.

Wenn Open Source und souveräne IT-Infrastrukturen konsequent genutzt werden, kann Österreich zwei Dinge gleichzeitig erreichen: Abhängigkeiten reduzieren und Wertschöpfung im Land halten – getragen von genau den qualifizierten Personen, die heute schon hier ausgebildet werden und hier arbeiten.